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Bissverletzungen durch Säugetiere
Behandlung
Empirische Therapie
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Bissverletzungen durch Säugetiere (pdf -Ansicht))

 

Bissverletzungen vor allem durch Hunde und Katzen sind häufige Ereignisse. Medienwirksame Meldungen über Angriffe von «Kampfhunden» haben die öffentliche Meinung sensibilisiert, so dass auch in der Schweiz die Behörden beginnen, Daten über Hundebisse zu sammeln sowie Präventionskampagnen z.B. in Schulen durchzuführen. Etwa 60 bis 80% der Bissverletzungen werden durch Hunde verursacht, 20 bis 30% durch Katzen. Durch Menschen verursachte Bisse sind in ländlichen Gebieten eher selten, in Städten können sie jedoch bis zu 20% der Bissverletzungen ausmachen.

Die meisten Bissverletzungen erfolgen durch den eigenen oder einen bekannten Hund. Mehr als die Hälfte der Opfer sind Kinder. Etwa 1% der Personen, die eine Notfallstation aufsuchen, tun dies wegen einer Bissverletzung. In der Schweiz rechnet man mit einer jährlichen Inzidenz von 325 Kratz- und Bissverletzungen auf 100'000 Einwohner. Etwa 13'000 Menschen werden jedes Jahr wegen einer Hundebissverletzung von ihrem Hausarzt oder im Spital medizinisch versorgt, was einer Häufigkeit von 180 Fällen auf 100'000 Einwohner entspricht.

 

Erreger und ihre Übertragung

Mehr als 150 verschiedene Erkrankungen können von Tieren auf den Menschen übertragen werden (Zoonosen). Durch Bisse oder Kratzer wird jedoch eine wesentlich geringere Anzahl von Erregern übertragen, die zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung führen. Dies ist z.B. für Tollwut, Katzenkratzkrankheit, Rattenbissfieber, Tularämie, Brucellose, Leptospirose oder Tetanus dokumentiert.

Verschiedene Keime der Mundflora, die bei einem Biss auf das Opfer übertragen werden, können zu schweren lokalen Infektionen oder sogar zu einer disseminierten Infektion und Sepsis führen. Nach einer Bissverletzung entwickelt sich in 10 bis 15% eine lokale Infektion. Das Risiko und der Schweregrad einer Infektion hängt sowohl von der Lokalisation und der Art der Wunde wie auch vom Zustand des Opfers ab. Als risikobehaftet gelten Wunden an Händen und Füssen, am Kopf bei Kindern, sowie Punktionswunden, wie sie durch die scharfen und schlanken Zähne von Katzen entstehen können. Bissverletzungen von Menschen, Feliden und Wiederkäuern gelten als wesentlich gefährlicher als solche von Hunden. Letztere verursachen durch die zum Teil enorme lokale Krafteinwirkung eher Rissquetschwunden mit Bildung von avitalem Gewebe, was allerdings auch zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen kann. Das Risiko einer Infektion soll bei Personen mit speziellen Erkrankungen oder Therapien wie z.B. Immunschwäche, Diabetes mellitus, immunsuppressiver Therapie oder nach Splenektomie wesentlich höher sein; dies ist allerdings nur wenig dokumentiert.

Die Mundflora von Tieren und Menschen weist eine komplexe Zusammensetzung mit über 50 verschiedenen Bakterien auf. Bei Bissverletzungen können jeweils nur einige wenige Bakterienstämme in der Wunde isoliert werden. Für die Entwicklung einer Infektion sind nur einzelne für die entsprechende Tierart typische Bakterien verantwortlich. So sind bei Katzen- und Hundebissen Pasteurella multocida häufig, Staphylococcus aureus oder Streptococcus pyogenes jedoch wesentlich seltener für die Entstehung einer Wundinfektion verantwortlich.

Captnocytophaga canimorsus (früher DF-2), durch einen Hunde-, selten auch durch einen Katzenbiss übertragen, kann besonders bei Personen mit geschwächtem Immunsystem (jedoch auch nach Splenektomie) zu einer Sepsis mit disseminierter intravasaler Gerinnungsstörung und hoher Letalität führen. Solche schweren Erkrankungen sind jedoch sehr selten, weltweit sind weniger als 100 Fälle publiziert worden.

Eikenella corrodens lässt sich besonders häufig bei Personen mit Gingivitis oder Periodontitis nachweisen. Bei durch den Menschen verursachten Bisswunden, die häufig mit diesem Keim infiziert werden, sind «echte» sogenannte Okklusionsbisse mit Eindringen der Zähne ins Gewebe von «unechten» Bissen zu unterschieden. Letztere entstehen bei einem Faustschlag mit Aufprall eines Metakarpo-phalangealgelenkes auf die Zähne des Gegners (sog. «fight-bite clenched fist»-Verletzungen). Die Strecksehne und die darunter liegende Bursa werden meistens im Bereich des zweiten oder dritten Metakarpalköpfchens nach seitwärts verlagert. Durch den Zahn kann eine kleine, jedoch tiefe Verletzung mit Perforation der Gelenkkapsel entstehen, welche dann bei Extension der Finger verschlossen wird. Solche Wunden sind in 30 bis 80% infiziert und es ist mit einer relevanten Morbidität zu rechnen, wenn eine Behandlung mit Antibiotika um mehr als 12 Stunden verzögert wird. In der Vorantibiotikaära führten solche Verletzungen häufig zu Versteifungen des Gelenkes oder sogar zur Amputation.

Bei durch Menschen verursachten Bisswunden muss auch an die Möglichkeit der Übertragung von Hepatitis B und AIDS und an die entsprechende postexpositionelle Prophylaxe gedacht werden.

Durch Nagetiere verursachte Bisse rufen selten eine Infektion hervor. Meistens ist dafür Pasteurella multocida verantwortlich. Andere, seltene Zoonosen infolge von Nagetierbissen sind Tollwut, Tularämie und Rattenbissfieber. Bei Bissen durch exotische Wildtiere (Löwen, Puma etc.) steht meistens die Verletzung und weniger die Infektion im Vordergrund.