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Zeckenenzephalitis: In Europa wird eine Zeckenenzephalitis meistens durch das zu den Flaviviren gehörende Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME)-Virus (separater Beitrag, in Arbeit) verursacht. Vor allem im asiatischen Teil von Russland wird ein ähnliches Krankheitsbild durch das Russian-spring-summer encephalitis (RSSE)-Virus hervorgerufen. Andere Flaviviren wie das louping-ill-Virus in Grossbritannien (bisher etwa 40 menschliche Fälle, meistens Laborinfektionen) und das Powassan Virus in Nordamerika und Nordasien werden selten als Verursacher einer Enzephalitis diagnostiziert.

Hämorrhagische Fieber: Das hämorrhagische Krim-Kongo Fieber wurde erstmals während des zweiten Weltkriegs beschrieben, als 1944 mehr als 200 sowjetische Soldaten auf der Krim erkrankten. Erst später wurde festgestellt, dass es sich um ein Nairovirus aus der Familie der Bunyaviren handelt, das für dasselbe Krankheitsbild in Afrika verantwortlich ist. Jährlich werden weltweit etwa 50 bis 200 Fälle diagnostiziert. Die Erkrankung kommt in Afrika südlich der Sahara, auf dem Balkan, in der Türkei, in Saudiarabien sowie im Nahen, Mittleren und Fernen Osten vor. Als Reservoir dienen verschiedene Säugetiere wie Ziegen, Schafe, Rinder, Pferde, vereinzelt auch Hunde und im südlichen Afrika Strausse. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch den Stich von Hyalomma und gelegentlich auch anderen Zecken. Das Virus kann auch alimentär durch Milch, infektiöse Körperflüssigkeiten insbesondere durch Blut sowie durch Aerosole (z.B. beim Schlachten von Straussen mit mechanischer Entfederung und Zerquetschung der Zecken) übertragen werden. Eine verzögerte Diagnose hat zu vereinzelten nosokomialen Infektionen von Spitalpersonal mit tödlichem Ausgang geführt. Gefährdet sind besonders Schlachthausarbeiter, die sich durch importierte Tiere auch ausserhalb endemischer Gebiete infizieren können. Da die Mortalität 20 bis 35% beträgt, muss die Diagnose dieses gefährlichen Krankheitserregers mittels Virusisolation und serologischer Tests (ELISA, PCR) in einem spezialisierten Labor möglichst rasch erfolgen. Die Krankheit manifestiert sich mit Fieber, disseminierter intravaskulärer Gerinnung und schwerer Thrombozytopenie mit konsekutivem Schock und ikterischer Hepatitis. Eine Behandlung mit Ribavarin kann den Verlauf günstig beeinflussen [14].

Hämorrhagische Fieber können selten auch durch Zecken übertragene Flaviviren wie das Omsk-hämorrhagische Fieber Virus in Sibirien oder das Kyasanur Forest Disease Virus in Indien (beides Flaviviren) verursacht werden.

Das Colorado Zeckenfieber wird durch Coltiviren verursacht, die durch adulte Dermacentor andersoni Zecken übertragen werden [15]. Diese findet man in gebirgigen Gegenden der USA und Kanadas in einer Höhe von 1200 bis 3300 m. Hauptwirte sind hauptsächlich Nagetiere. Beim Menschen werden jährlich etwa 200 bis 300 Krankheitsfälle diagnostiziert. Viren können auch über Bluttransfusionen übertragen werden, vereinzelt sind Infektionen auch im Labor aufgetreten. Die Krankheit verläuft meist mit hohem Fieber, sowie erheblichen Muskel- und Kopfschmerzen. Gelegentlich tritt auch ein Hautausschlag auf. Typisch ist eine ausgeprägte Leukozytopenie. Die Krankheit verläuft meistens gutartig und heilt ohne Therapie aus. Komplikationen treten wenn überhaupt, meistens bei Kindern auf. Die Therapie erfolgt symptomatisch. Ribavarin hat in Tierversuchen günstige Ergebnisse gezeigt. In Europa wurde in Ixodes-Zecken das den Coltiviren verwandte Eyach-Virus festgestellt, das in Tschechien und der Slowakei eine ähnliche Erkrankung hervorrufen soll.