Höhenkrankheit: Wie vermeiden und wie behandeln
Jedes Jahr begeben sich Millionen von Menschen in die Berge, um zu wandern, zu trekken, Ski zu fahren oder Berge zu erklimmen. Wenn Sie eine Bergtour mit einer Höhe von mehr als 2500 bis 3000 rn ü.M. planen, sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt über Höhenkrankheiten (akute Bergkrankheit, Höhen-Hirnödem, Höhenlungenödem). Durch was wird die Höhenkranheit verursacht? Die niedrige Sauerstoffkonzentration in der Luft in hoher Höhe verursacht die Höhenkrankheit. Die Konzentration des Sauerstoffs in der Luft wird geringer je höher man sich über dem Meeresspiegel befinden. Wenn man sich rasch in hohe Höhen begibt, fühlt man sich wegen der geringen Sauerstoffkonzentration unwohl. Man kann sich jedoch in grosser Höhe während längere Zeit aufhalten, der Körper gewöhnt sich an die niedrige Sauerstoffkonzentration und die Beschwerden verschwinden.
Es gibt drei verschiedene Arten von Höhenkrankheiten:
1. Akute Bergkrankheit (acute mountain sickness, AMS)
2. Höhenlungenödem (high altitude pulmonary edema, HAPE) (Wasser auf den Lungen)
3. Höhenhirnödem (high altitude cerebral edema, HACE) (Hirnschwellung).
Diese Erkrankungen können einen ernsthaft und sogar tödlichen Verlauf nehmen, sie lassen sich jedoch vermeiden.
Wie kann man Höhenkrankheiten vermeiden?
Man kann zwei wichtige Dinge tun, um eine Höhenkrankheit zu vermeiden:
1. Man nimmt sich ausreichend Zeit, um grosse Höhen zu erreichen.
2. Man schläft auf einer Höhe, die tiefer ist als diejenige, die man während des Tages erreicht hat. Zum Beispiel wenn man auf einer Skitour eine Höhe von 3500 m während des Tages erreicht haben, soll man 300 bis 500 Höhenmeter absteigen um zu schlafen. Wenn man sich in grosse Höhen begibt, wird Ihr Körper sich der tiefen Sauerstoffkonzentration in der Luft anpassen. Dazu benötigt man jedoch mehrere Tage. Wenn man gesund ist, kann man in kurzer Zeit von der Meereshöhe bis auf eine Höhe von 3500 rn ü.M. aufsteigen. Wenn man weiter hinaufgehen will, sollte die Schlafhöhe nicht mehr als 300 bis 400 rn pro Tag gesteigert werden. Je näher man im Bereich der Meereshöhe lebt, desto mehr Zeit braucht der Körper, wenn man sich in grössere Höhen begibt. Man soll den Aufstieg so planen, dass der Körper genügend Zeit hat, sich an die Höhe zu gewöhnen, insbesondere bevor man eine grössere körperliche Anstrengung leisten müssen.
Wie weiss man, dass man eine Höhenkrankheit bekommen?
Einige der ersten Zeichen einer Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen, Schwäche, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden. Wenn diese Beschwerden auftreten, soll man nicht noch mehr Höhe gewinnen, sondern soweit absteigen, bis die Symptome verschwunden sind. Schwerwiegendere Beschwerden inklusive Atembeschwerden in Ruhe, Husten, Verwirrtheit und die Unfähigkeit, auf einer Geraden zu gehen, sind Alarmzeichen. Wenn solche Beschwerden auftreten, muss unbedingt abgestiegen und ein Arzt aufgesucht werden.
Was muss getan werden, wenn man an einer Höhenkrankheit erkrankt?
Die beste Behandlung für jede der drei verschiedenen höhenbedingten Erkrankungen ist der sofortige Abstieg auf eine geringere Höhe. Wenn nur geringe Symptome auftreten, genügen einige 100 m mit einer Ruhephase, die dem Körper Zeit lässt, sich zu anklimatisieren. Man soll sich jedoch während dieser Zeit ruhig verhalten, bis man sich besser fühlt. Wenn schwere Symptome auftreten, muss sofort auf eine Höhe von 500 bis 1000 rn ü.M abgestiegen werden, bis die Beschwerden sich bessern. Man soll mit dem Abstieg fortfahren, bis die Beschwerden vollständig verschwunden sind.
Das Arzneimittel Acetazolamid (Diamox®) kann sowohl zur Prophylaxe wie auch zur Therapie der Höhenkrankheiten verwendet werden. Wenn die ersten Symptome einer Höhenkrankheit auftreten, nimmt man zweimal täglich eine Tablette zu 250 mg Azetazolamid. Das Mittel dient jedoch nicht dazu, trotzdem aufsteigen zu können. Auf keinen Fall sollen die Zeichen einer Höhenkrankheit missachtet werden. Immer wieder treten bei Personen Todesfälle auf, die ihre Symptome nicht ernst nehmen oder glauben, diese seien durch etwas anderes bedingt. Wenn Zeichen der Höhenkrankheit auftreten, darf auf keinen Fall weiter aufgestiegen werden, bis man sich besser fühlt und die Beschwerden völlig verschwunden sind.
Ist es sicher, sich in grosse Höhe zu begeben, wenn man an einer chronischen Erkrankung (z. B. Herz- oder Lungenerkrankung) leidet?
Je nach Situation ist es durchaus verantwortbar. Die Antwort hängt jedoch von der Art Ihrer chronischen Krankheit und von derer Schwere ab. Die meisten Personen mit chronischen Herz- oder Lungenkrankheiten können eine gewisse Zeit in hoher Höhe sicher verbringen, wenn ihre Krankheit unter guter Kontrolle ist. Personen mit koronarer Herzkrankheit, leichter Lungenerweiterung oder hohem Blutdruck sind nicht einem grösseren Risiko ausgesetzt als Personen ohne diese Krankheit. Auch besteht kein Risiko, dass sich die Krankheit verschlimmert, wenn solche Personen sich in grössere Höhen begeben. Auch Übergewicht ist kein spezielles Risiko für eine Höhenkrankheit. Dies gilt jedoch nicht für alle Erkrankungen, einzelne Erkrankungen können in grosser Höhe den Gesundheitszustand in gefährlicher Weise beeinträchtigen. Personen mit schwerer Lungenerkrankung, insbesondere chronisch obstruktiven Lungenveränderungen, schwerer Lungenerweiterung (Emphysem) und Patienten mit schwerer Herzkrankheit sollten vorsichtig sein, eine Höhe von 2500 rn üM zu überschreiten.
Ist es gefährlich, sich während einer Schwangerschaft in grosse Höhe zu begeben?
Es existieren nur wenige Informationen über Höhenkrankheiten während der Schwangerschaft. Einzelne Experten empfehlen, dass schwangere Frauen eine Höhe von 2500 bis 3000 rn ü.M. nicht überschreiten sollten. Dies müssen Sie jdoch mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.
Kinder und Höhe?
Üblicherweise ist die Höhe kein Problem für Kinder, sie neigen jedoch rascher zu Höhenkrankheiten, da der Körper sich nur langsam an die Höhe und die niedrige Sauerstoffkonzentration gewöhnt. Ein Kind kann möglicherweise Symptome der Höhenkrankheit nicht erkennen, so dass Erwachsene die Kinder wegen allfälliger Zeichen einer Höhenkrankheit sorgfältig beobachten müssen.
Das Wichtigste in Kürze:
Prophylaxe der Bergkrankheit:
Langsamer Aufstieg! Bei einer Höhe von über 3000 m ü.M. soll die Schlafhöhe täglich nicht mehr als 300 m gesteigert werden.
Behandlung von Bergkrankheit und von Hirn- und Lungenödemen:
Erste Symptome sind Kopfschmerzen, Gleichgültigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Legen Sie einen Rasttag ein und entspannen Sie! Nehmen Sie Paracetamol (z.B. Panadol®, Dafalgan®) gegen Kopfschmerzen. Evtl. Acetazolamid (Diamox®) 500 mg einmal pro Tag:
Bei schweren Symptomen mit Höhenhirnödem (Kopfschmerzen, die nicht auf Panadol® oder Aspirin® reagieren, Erbrechen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Bewusstseinstrübung bis Bewusstlosigkeit) sofort absteigen, Sauerstoff, Abtransport. Dexamethason (DecadronR 8 mg) als Tablette oder intravenös, dann Dexamethason 4 mg alle sechs Stunden oder Prednisolon (Spiricort®) 50 bis 100 mg als Tabletten oder intravenös, dann anschliessend 50 mg alle acht bis zwölf Stunden. Evtl. zusätzlich Überdrucksack (Gamow Bag).
Bei schweren Symptomen mit Lungenödem (Atemnot, rasselnde Geräusche auf der Lunge, Blauverfärbung von Gesicht, schnelle Atmung) sofortiger Abstieg oder Abtransport, wenn möglich Sauerstoffgabe. Nifedipin (Adalat®) 10 bis 20 mg als Tablette sofort sowie 20 mg Adalat® retard, dann alle sechs Stunden 20 mg Adalat® retard, falls möglich Überdrucksack
Wenn eine schwere akute Bergkrankheit und ein Höhenlungenödem zusammen auftreten, ebenfalls sofortiger Abstieg, Abtransport, Sauerstoff, Dexamethason (Decadron®) oder Prednisolon (Spiricort® u.a.) wie erwähnt und zusätzlich Nifedipin (Adalat®) oder Acetazolamid (Diamox®) 500 mg.
