Japanische Enzephalitis
Wirksame Impfung, jedoch nicht für jeden Reisenden
Hintergrund
Durch Moskitos in Südostasien übertragene Viruserkrankung des Gehirns mit jährlich etwa 35'000 symptomatischen Erkrankungen und 10'000 Todesfällen.Erreger
Zur Gruppe der Flaviviren (gleiche Gruppe wie Gelbfieber- Dengue- und FSME-Virus) gehörendes und durch Stechmücken übertragenes RNA VirusKrankheit
Inkubationszeit 5 bis 15 Tage. Plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, Verwirrung, Sprachstörung, motorische Dysfunktion, Meningismus. Bei Kindern auch Beginn mit gastrointestinalen Symptomen (Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen), häufig Krampfanfälle, gelegentlich Poliomyelitis-ähnliches Krankheitsbild. Mortalität 5 bis 30% besonders bei Kindern < 10 Jahren. Diagnose: Bei 75% der Patienten Nachweis von spezifischen Antikörper (IgM-capture ELISA) in den ersten 4 Tagen nach Beginn der Erkrankung, praktisch bei 100% nach 7 Tagen.Epidemiologie
Saisonale Uebertragung durch zoophile Stechmücken (v.a. Culex tritaeniorhynchus u.a.) vor allem nächtlich während der Regenzeit besonders in Gebieten mit Nassreisanbau und Schweinehaltung. Hauptwirt für die Virusamplifikation ist das Schwein, gelegentlich auch grosse Wasservögel. Menschen und Pferde sind akzidentelle Wirte im Transmissionszyklus.Verbreitungsgebiete
Hauptsächlich in Indien, China, Vietnam (Mekongdelta und Umgebung von Hanoi), Sri Lanka, Nepal und Thailand. Selten in Taiwan, Korea, Japan, Bangladesch, Philippinen und Malaysia. Einzelfälle in Indonesien (Bali) und auf westpazifischen Inseln (Guam, Saipan).Infektions/Erkrankungsrisiko
Lokale Bevölkerung: In hyperendemischen Gebieten treten mehr als die Hälfte der Erkrankungen bei Kindern < 4 Jahren auf. Seroprävalenzstudien zeigen, dass bis zum frühen Erwachsenenalter fast alle Personen eine Infektion durchgemacht haben. Der Grossteil der Infektionen verläuft jedoch inapparent, nur eine von 25 bis 1000 Infektionen führt zu einer manifesten Erkrankung.
Reisende und Langzeitaufenthalter: 24 Erkrankungen (6 Todesfälle) im Zeitraum von 1978 bis 1992. Während der Transmissionszeit: Risiko 0.05 bis 2.1 Fälle/10'000 Personen/Woche
Impfstoff
Es handelt sich um einen Totimpfstoff. Der in Europa und den USA erhältliche Biken Impfstoff wird aus Maushirn, welches mit Stamm Nakayama- Beijing-1 infiziert ist, gewonnen. Die Viren werden mit Formalin inaktiviert. Verschiedene Reinigungsprozesse bewirken, dass kein basisches Myelinprotein mehr nachgewiesen werden kann. Die Haltbarkeit wird durch Thiomersalzusatz verbessert. In der Volksrepublik China werden auch Tot- und Lebendimpfstoffe mit Virusreplikation auf Hamsternierenzellen hergestellt.Immunogenität/Schutzwirkung
Ein Titer von mindestens 1:10 neutralisierenden Antikörpern schützt im Tierversuch vor einer Infektion. Bei Personen, die nicht in Endemiegebieten leben, werden mit drei Impfungen Serokonversionsraten von 88% bis 100% mit Titern von 140 (Reciprocal Geometric Mean Titer) erziehlt. Mit nur zwei Impfungen werden Serokonversionsraten von 33% bis 80% mit Titern von 28 bis 61 erreicht. Die Immunogenität des Impfstoffs ist deutlich besser, wenn die drei Impfungen im Zeitraum von 30 Tagen verabreicht werden. Werden die drei Dosen im Zeitraum von 14 Tagen verabreicht, sind die Serokonversionsraten zwar gleich hoch, die Antikörpertiter jedoch signifikant niedriger.Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde in einer kontrollierten Feldstudie bei Kindern in Thailand geprüft. In der Studie wurde ein monovalenter Impfstoff mit dem Nakayama Stamm (21628 Kinder) mit einem bivalenten Impfstoff, der zusätzlich noch den Beijing-1 Stamm enthielt (22080 Kinder) verglichen. Die Kontrollgruppe (21516 Kinder erhielten Tetanustoxoid als Placebo. Nach 2-jähriger Beobachtungsphase traten in der gegen JE geimpften Gruppe zwei JE Fälle in der Placebogruppe hingegen 11 Erkrankungsfälle auf. Der monovalente Impfstoff unterschied sich in der Wirksamkeit nicht vom bivalenten. Der Impfschutz wird mit 91% (CI 70% bis 97%) berechnet
Verabreichung:
Subkutan Erwachsene und Kinder > 3 Jahre: 1.0 ml an Tag 0, 7, 30
Kinder >6 Monate und < 3 Jahren: 0.5 ml an Tag 0, 7, 30
Booster (Wiederholungsimpfung): nach 2 Jahren und anschliessend alle 3 Jahre
Abgekürztes Impfschema: Tag 0, 7, 14
Unerwünschte Wirkungen (UW)
1-29% lokale UW wie Schwellung, Rötung, Schmerzhaftigkeit 0-13% systemische UW wie z.B. Fieber, Kopfschmerzen, Malaise, Hautausschlag, Myalgien, Nausea, Erbrechen, Bauchweh Neurologische UW Einzelfälle Allergische Hautreaktionen: bei Touristen 0.7 bis 104/10'000 geimpfte Personen Auftreten nach 18 h bis 7 Tagen
Verabreichung zusammen mit anderen Impfstoffen
kann mit der Diphterie-Tetanus Impfung zusammen verabreicht werden (limitierte Daten), keine Daten für die gleichzeitige Verabreichung von anderen Impfungen oder Malariamedikamenten vorhanden.Kontraindikationen
Allergie gegen tierische Proteine, Thiomersalüberempfindlichkeit, bekannte allergische Reaktion nach JE-Impfung. Kinder < 6 Monaten, fehlende Daten für Schwangerschaft.Spezielle Hinweise
Der JE-Impfstoff ist u.a. in Japan und den USA registriert, nicht jedoch in Europa. Der Bezug ist über internationale Apotheken und reisemedizinische Zentren möglich.Verfügbare Formen
Japanese-Encephalitis Vaccine-GCG (Green-Cross Corporation) Korea (Nakayama Stamm)
3 Dosen Schema (1.0 ml) Tag 0,7 und 28, Erste Wiederholungsimpfung nach einem Jahr, weitere Wiederholungsimpfungen alle 3 Jahre.
JE-VAX (Connaught) Lyophilisierter Impfstoff mit Solvens (Biken): Wir zur Zeit nicht importiert und ist nicht erhältlich.
Novartis-Impfstoff (kommt 2008 oder 2009 auf den Markt)
Indikation Personen speziell Kinder, die sich länger als 4 Wochen während der Regenzeit in ländlichen Endemiegebieten in Südwest- oder Südostasien aufhalten.
Kosten ca. 90 sfr./Dosis. Da der Impfstoff in Europa nicht zugelassen ist, existieren keine offiziellen Publikumspreise.
Schwangerschaft: Inaktivierte Totimpfstoffe können während der Schwangerschaft verabreicht werden. Erfahrungen mit JE-Impfstoff bestehen jedoch nicht. Risiko/Benefit abwägen.
Kinder: Keine Daten über Sicherheit, Immunogenität und Wirksamkeit bei Kindern < 1 Jahr vorhanden
Alte Menschen: Keine Daten vorhanden
Immunsuppression: Inaktivierte Totimpfstoffe können bei Personen mit Immundefizienz theoretischverabreicht werden. Nur limitierte Daten bei Kindern, UW nicht häufiger, jedoch keine Daten über Immunogenität und Schutzwirkung.
Kommentar
Der Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis gibt einen guten Schutz und ist im allgemeinen gut verträglich. Da die Krankheit unter Reisenden in Endemiegebiete sehr selten und die Krankheit häufig inapparent verläuft, soll die Indikation zur Impfung sehr restriktiv gestellt werden.
Präventiver Nutzen +++
Verträglichkeit ++
Kostenvorteil +
Literatur
- Recommendations of the ACIP. Inactivated japanese encephalitis virus vaccine. MMWR 1993;42 (RR-1):1-15
- AD Barrett: Japanese encephalitis and dengue vaccines. Biologicals 1997;25:27-34
- CH Hoke et al.: Protection against Japanese encephalitis by inactivated vaccine. Engl J Med 1988;319:609-14
- JD Poland et al.: Evaluation of the potency and safety of inactivated Japanese encephalitis vaccine in US inhabitants. J Infect Dis 1990;161:878-82
- T Jelinek et al.: Japanese encephalitis vaccine in travellers. Is wider use prudent? Drug Saf 1997;16:153-56
