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Schutz gegen Stechmücken

Zusammenfassung

Der Schutz gegen Insekten insbesondere gegen Krankheitserreger-übertragende Stechmücken, wird immer wichtiger. Insbesondere die Probleme bei Behandlung und Prophylaxe der Malaria lassen sich mit Medikamenten allein nicht lösen. Plasmodium. falciparum, der Erreger der gefährlichen Malaria tropica, ist gegen verschiedene Malariamittel resistent geworden. Einzelne dieser Arzneimittel weisen unerwünschte Wirkungen auf, so dass sie nicht oder nur unregelmässig eingenommen werden. Die in Endemiegebieten lebende Bevölkerung ist zudem nicht in der Lage diese Medikamente zu bezahlen. Deshalb werden Massnahmen, die vor Insektenstichen schützen, immer wichtiger. Ein solcher Schutz auch als Expositionsprophylaxe bezeichnet kann mit Repellentien, Insektiziden, physikalischen Massnahmen oder noch wirksamer durch eine Kombination dieser Massnahmen durchgeführt werden. Repellentien sind Substanzen, welche auf die Haut aufgetragen, Mücken wirksam fernhalten sollen. Goldstandard ist noch immer das gut wirksame und am besten dokumentierte Diäthylmethylbenzamin (DEET). Das neue seit 1998 erhältliche Bayrepel (KBR 3023, Hydroxyäthyl Isobutyl Piperidin Carboxylat) scheint ebenso wirksam zu sein. Insektizide hingegen wirken direkt toxisch auf das Nervensystem der Insekten. Meistens werden synthetische Pyrethroide angewendet, die biologisch abgebaut werden und kaum ökologische Probleme aufweisen. Sie können als Spray, in Form von Verdunstersystemen oder als Räucherspiralen eingesetzt werden. Einen entscheidenden Fortschritt hat die Kombination von Insektiziden mit physikalischen Massnahmen ergeben. Die Anwendung von Bettnetzen, die mit Pyrethroiden imprägnieret sind, reduziert während mehrerer Monate das Risiko einer Malariainfektion erheblich. Ultraschallgeräte, Lichtfallen und Vitamin B1 erfreuen sich seit Jahrzehnten bei den Konsumenten grosser Beliebtheit, obwohl deren Wirkungslosigkeit wissenschaftlich gut dokumentiert ist.


Zahlreiche Erkrankungen werden weltweit durch verschiedene Arthropoden wie z. B. Stechmücken, Fliegen, Läuse, Flöhe, Zecken und Wanzen übertragen. Dabei spielen Stechmücken eine besonders wichtige Rolle. Diese übertragen weltweit jedes Jahr Krankheitserreger auf mehr als 700 Millionen Menschen und sind dadurch für einen von 17 Todesfällen verantwortlich. Jedes Jahr werden allein 3 Millionen Todesfälle infolge der durch Stechmücken-übertragenen tropischen Malaria verursacht. Ein Schutz vor Mückenstichen ist deshalb nicht nur für Touristen, Geschäftsleute und Armeeangehörige wichtig, sondern besonders auch für die ständig in Endemiegebieten lebende Bevölkerung. Auch für Personen mit einer Teilimmunität gestaltet sich die medikamentöse Therapie und Prophylaxe einer Malaria immer schwieriger. Plasmodium falciparum, der Erreger der gefährlichen Malaria tropica ist in den letzten 3 Jahrzehnten gegen zahlreiche Malariamittel resistent geworden. Verschiedene Malariamittel können zudem erhebliche unerwünschte Wirkungen aufweisen. Nutzen und Risken von prophylaktisch verabreichten Malariamitteln werden heutzutage von den Konsumenten wesentlich kritischer beurteilt. Zusätzlich bewirken reisserisch aufgemachte Medienberichte, dass Malariamedikamente von den Reisenden nicht korrekt oder überhaupt nicht eingenommen werden. Die Tatsache, dass z.B. in Ostafrika ohne adäquate medikamentöse Malariaprophylaxe bei einer Expositionszeit von einem Monat einer von 50 Touristen an einer Malaria erkranken wird, wird von vielen Reisenden verdrängt. Für Touristen und auch für die in den Endemiegebieten lebende Bevölkerung ist deshalb ein Schutz vor Stechmücken und anderer Arthropoden, das heisst eine sogenannte Expositionsprophylaxe mit äusserlicher Anwendung chemischer oder physikalischer Substanzen von besonderer Wichtigkeit.

Stechmücken kommen weltweit mit Ausnahme der Antarktis vor. Mücken der Gattung Anopheles, Culex und Aedes sind für die meisten Stiche beim Menschen verantwortlich. Für die Erhaltung des Lebenszyklus von Stechmücken muss Wasser vorhanden sein, wo die weiblichen Mücken ihre Eier ablegen können. Die männlichen Mücken ernähren sich von Pflanzensäften und stechen nicht. Die weiblichen Mücken hingegen benötigen alle drei bis vier Tage eine Blutmahlzeit, um Eier produzieren zu können. Einzelne Stechmücken sind zoophil und bevorzugen Tiere für ihre Blutmahlzeit, andere sind anthropophil. Einzelne Gattungen wechseln mit dem Wechsel der Jahreszeiten ihren Wirt und können dadurch Erkrankungen, welche vorwiegend bei Tieren auftreten, auf Menschen übertragen. Anhaltspunkte, dass HI- oder Hepatitis-B-Viren durch Stechmücken übertragen werden könnten, bestehen bisher überhaupt keine. Die Viren vermehren sich in der Stechmücke nicht noch können sie überleben. Auch ist die Konzentration der zirkulierenden Viren bei einer HIV-infizierten Person so gering, dass das theoretische Risiko einer Übertragung durch einen Moskitostich auf 1 zu 10 Millionen geschätzt wird.




Was zieht Stechmücken an?

Die Faktoren, welche bewirken, dass ein Wirt für Stechmücken attraktiv ist, sind komplex und in den Einzelheiten nicht bekannt. Stechmücken benützen visuelle, thermische und geruchliche Faktoren, um ein geeignetes Opfer für eine Blutmahlzeit zu finden. Dabei lassen sie sich eher durch den Geruchssinn als durch visuelle Faktoren leiten. Visuelle Fähigkeiten sind auch wichtig für Flugorientierung der Mücke, Geruchsstimuli hingegen spielen eine wichtige Rolle, wenn die Mücke sich in der Nähe eines möglichen Wirts befindet. Tag-aktive Stechmücken können sich auch an der Bewegung und dunklen Kleidung des Wirtes orientieren. Schätzungsweise setzt der menschliche Körper 300 bis 400 verschiedene Substanzen frei, davon allein etwa 100 verschiedene flüchtige Substanzen über die Atmung. Kohlendioxid und Milchsäure sind die beiden am besten bekannten und untersuchten Substanzen, welche Stechmücken anziehen können. Kohlendioxid wird vorwiegend über die Lunge ausgeatmet jedoch auch über die Haut ausgeschieden. Stechmücken können diese Substanz auf eine Distanz von mehr als 30 Metern wahrnehmen und so einen möglichen Wirt orten. Milchsäure insbesondere in Kombination mit Kohlendioxid stimuliert die an den Antennen der Stechmücken lokalisierten Chemorezeptoren. Hauttemperatur und Hautfeuchtigkeit spielen ebenfalls eine Rolle. Die Mikroflora auf der menschlichen Haut produziert z.B. durch Abbau von Fettsäuren verschiedenste Geruchsstoffen, welche als Kairomone das Verhalten der Stechmücken bei der Suche nach einem Wirt beeinflussen. So ist z.B. der Geruch von Socken, welche mindestens 3 Tage getragen wurden, für Stechmücken attraktiv. Dieser Geruch entsteht durch mikrobiellen Abbau (Brevibacterium epidermidis) von Fettsäuren aus dem Hauttalg. Gaschromatographische Untersuchungen haben ein ähnliches Spektrum bei der Geruchsanalyse von Limburgerkäse gezeigt. Die meisten Mücken haben ihre bevorzugten Stechorte am Körper, welche mit der Hauttemperatur, Dichte der ekkrinen Schweissdrüsen sowie volatilen Stoffen von Talg, Schweiss und bakterieller Mikroflora korrelieren. Durch Modifikation des Geruchprofils (z. B. durch Waschen der Füsse, Ableiten der ausgeatmeten Luft) kann das Verhalten der Stechmücken entscheidend geändert werden.

 


 

Repellentien

Die Ansprüche für ein ideales Repellent sind beträchtlich. Ein ideale Repellent hält alle möglichen Arten von Arthropoden fern, es wirkt langanhaltend und gleichmässig während mindestens 8 bis 12 Stunden, es verursacht keine lokale oder systemische Toxizität jedoch auch keine Irritationen von Haut und Schleimhäuten. Es muss eine optimale Volatilität aufweisen, um eine optimale Konzentration im Bereich der Haut aufrecht erhalten zu können. Damit es von den Konsumenten wirklich angewendet wird, muss es als angenehm in Geruch und Konsistenz beurteilt werden. Da ein Repellent nur so lange wirkt, als es auf der Haut vorhanden ist, darf es durch Absorption durch die Haut, Abrieb durch Kleiderkontakt, Schwitzen, Wasserkontakt nicht allzu rasch verloren gehen. So kann eine Erhöhung der Umgebungstemperatur um 10˚C zu einer Halbierung der Schutzdauer führen. Ein Repellent muss auf die ganze freie Hautfläche aufgetragen werden, da unbehandelte Stellen auch wenn sie nur wenige Zentimeter von der behandelten Haut entfernt liegen, hungrige Stechmücken anziehe können. Ein solches ideales Repellent existiert jedoch immer noch nicht. Mit einer Anhebung der Konzentration lässt sich nicht immer eine Verbesserung der Wirkung, sondern höchstens eine Verlängerung der Wirkdauer erreichen. Im Alltag ist zudem die Wirkdauer wesentlich kürzer als unter Laborbedingungen. Die Wirksamkeit der Repellentien ist am besten gegen Stechmücken untersucht. Sie sind in unterschiedlichem Ausmass auch gegen andere Arthropoden wie Fliegen, Bremsen, Flöhe und Zecken wirksam, nicht jedoch gegen Hymenopteren (Bienen, Wespen). Die verschiedenen Stechmückenarten reagieren sehr unterschiedlich auf Repellentien. Im Labor wird die Wirksamkeit von Repellentien meistens mit Stechmücken der Gattung Aedes geprüft, da diese einfach züchtbar sind. Grundsätzlich müsste die Wirksamkeit von Repellentien gegen alle wichtigen Stechmückenarten insbesondere gegen die für die Malaria-Übertragung wichtigen Anopheles-Arten geprüft werden.

DEET (N,N-Diethyl-3-Methylbenzamin, früher N,N-Diethyl-M-Toluamid) ist nach wie vor der Goldstandart unter den Repellentien. Das Mittel ist 1946 von der amerikanischen Armee patentiert wurden und seit 1957 im Handel. Es wird geschätzt, dass DEET jährlich weltweit von mehr als 200 Millionen Personen verwendet wird. Trotz intensiver Forschung mit Evaluation von mehr als 20'000 Substanzen, konnte bisher kein besseres Mittel gefunden oder entwickelt werden. Neu auf den Markt gekommen ist 1998 Bayrepelâ (KBR 3023, 1-Piperidincarboxylsäure, 2-(Hydroxyaethyl)-1-Methylpropylester), welches eine mit DEET vergleichbare Wirkung aufweisen soll. Verwendet wird auch das weniger wirksame DMP (Dimethyl-1,2-benzendicarboxylat). Andere Mittel wie Rutgers 612 (2-Aethyl-1,2-Hexanediol), Aethyl-Butylacetylaminoproprionat (EPAAP, Repellent 3535) sowie zahlreiche Pflanzenextrakte und aetherische Öle sind ebenfalls zugelassen, jedoch vergleichsweise schlecht dokumentiert.

In der Schweiz gelten Repellentien als Kosmetika. Weder die Wirkstoffe noch deren Gehalt müssen deklariert werden. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur Höchstkonzentrationen (z.B. 30% für DEET). Bei ständig wechselndem Inhalt, Wirkstoffgehalt und Produktnamen ist es für den Konsumenten ein Ding der Unmöglichkeit sich adäquat zu informieren. Wenig hilfreich sind auch die zahlreichen Berichte und sogenannte „Tests“ in Konsumentenzeitschriften, deren Beurteilung häufig mehr auf der ökologischen Verpackung als auf der Wirksamkeit des geprüften Produktes basiert.








DEET (N,N-Diethyl-3-Methylbenzamin)

DEET–haltige Produkte (Tabelle 1) sind die wirksamsten Repellentien, die bei korrekter Anwendung wenig toxisch sind. In neueren Studien konnte gezeigt werden, dass nur gerade 5 bis 8% des auf die Haut aufgetragenen DEET absorbiert wird. Die Absorption erfolgt innerhalb zwei Stunden nach der Applikation. Das Mittel wird in der Leber metabolisiert und 10 bis 15 % werden innerhalb von 12 Stunden unverändert über die Nieren ausgeschieden. Das Mittel passiert die Plazentarschranke und wird auch mit der Muttermilch ausgeschieden. DEET weist ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil auf In mehr als 30 Studien wurde die akute, chronische und subchronische Toxizität, die Onko- und Mutagenizität, die Wirkung auf das ZNS, die Entwicklung und die Reproduktion geprüft. DEET entspricht den Sicherheitsstandards der EPA (U.S. Environmental Protection Agency). Trotz dieses günstigen Sicherheitsprofils, finden sich in der Literatur Fallberichte über DEET Toxizität. 14 Fälle von DEET-bedingter Enzephalopathie wurden publiziert, davon 13 bei Kindern unter 8 Jahren. 3 dieser Kinder verstarben. Die Einzelheiten der DEET Anwendung wurden in den meisten Fällen leider schlecht dokumentiert, meistens wurde DEET jedoch inadäquat, in hohen Dosen, über längere Zeit und am ganzen Körper appliziert angewendet. Tierversuche an Ratten und Mäusen haben gezeigt, dass DEET keine selektive Neurotoxizität aufweist. In einer 1994 publizierten Studie wurden 9068 Fälle von DEET-Exposition, welche 71 Vergiftungszentren gemeldet wurden, untersucht. Mehr als die Hälfte der Personen (54%) wiesen zur Zeit des Anrufs keine Symptome auf, Die meisten Meldungen waren durch Applikation des Mittels im Bereich der Augen oder durch Inhalation verursacht. Obwohl meist Kinder unter 6 Jahren exponiert waren, wiesen sie nicht mehr Komplikationen als ältere Kinder auf. Nur wenige Patienten mussten hospitalisiert werden. 99% der Patienten welche nachverfolgt werden konnten, zeigten keine langfristigen Folgen der DEET-Exposition auf.Inwiefern die Anwendung von DEET mit dem Golfkrieg-Syndrom in Zusammenhang steht ist unklar. Postuliert wird eine synergistische Wirkung mit anderen neurotoxischen Substanzen. Bei der Applikation von DEET, darf nicht vergessen werden, dass diese Substanz Plastikmaterialen, Farben und Lacke (Armbanduhren, Brillen etc.) angreifen kann.

 

 

Bayrepel (KBR 3023, Hydroxyäthyl Isobutyl Piperidin Carboxylat)

Bayrepel, ein Aminopropanol, hat eine ähnlich gute Wirkung wie DEET auf Mücken der Art Aedes, Culex, Anopheles sowie auf Fliegen und Zecken. Die Resorption von Bayrepelâ durch die Haut ist geringer als diejenige von DEET. Das toxikologische Profil ist ausgezeichnet, die Substanz besitzt weder karzinogene, mutagene, entwicklungstoxische oder reproduktionstoxische Eigenschaften. Relevante unerwünschte Wirkungen sind bisher keine bekannt. Mangels Dokumentation soll Bayrepelâ nicht bei Kindern unter zwei Jahren angewendet werden. Auf Grund von Tierversuchen ist während Schwangerschaft und Stillzeit kein Risiko zu erwarten. Einschränkend muss jedoch bemerkt werden, dass die Substanz erst seit 9 Jahren bekannt und seit 2 Jahren auf dem Markt ist. Auch die Dokumentation zur Wirksamkeit des Mittels ist noch eher bescheiden. Die Wirksamkeit entspricht etwa derjenigen von DEET.

 

EBAAP (Repellent 3535, Aethyl-Butylacetylaminoproprionat)

Obwohl dieser Wirkstoff seit langem bekannt ist, ist er schlecht dokumentiert. Daten über Absorption durch die Haut, Metabolismus, Elimination sowie über das toxikologische Profil sind spärlich oder fehlen gänzlich. EBAAP ist weniger wirksam als DEET oder Bayrepel. Unerwünschte Wirkungen sind selten. EBAAP-haltige Repellentien sind nur für tropische Verhältnisse nur bedingt geeignet.




 


Pflanzenextrakte

Verschiedene Pflanzenextrakte erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit als Repellentien. Keines dieser Mittel erreicht jedoch eine mit DEET auch nur annähernd vergleichbare Wirksamkeit. Von den verschiedenen ätherischen Ölen, die aus Zitronellengras, Lavendel, Geranien, Zedern, Nelken, Eukalyptus, Basilikum, Thymian, Knoblauch und Pfefferminze gewonnen werden, scheint das Zitronellenöl die beste Wirksamkeit aufzuweisen. In einer Vergleichsstudie mit DEET war jedoch die etwa 1000fach höhere Konzentration von Citronellol notwendig, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen. Eine 10%ige Zitronellenöl-Lösung schützt etwa fünfzehn Minuten vor einem Stich einer Aedes aegypti Mücke, hingegen beträgt der Schutz einer 15%igen DEET-Lösung zwei Stunden. Zitronellenextrakt-haltige Kerzen reduzieren die Anzahl der Stiche um etwa 20%, das heisst in etwa gleichem Ausmass wie gewöhnliche Kerzen.. Empfohlen wird auch das Anpflanzen im Garten von Pelargonium citrosum, welche durch ständiges Freisetzen von Zitronellenöl Stechmücken vertreiben sollen. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass diese Massnahme wirkungslos ist. Sogenannte „Bite-Blockers“ enthalten Soja-, Kokosnuss- und Geraniumöle und sollen gemäss einer durch den Hersteller gesponserten Studie in Kanada unter Feldbedingungen in 97% während mehr als 3 Stunden vor Aedes-Mückenstichen schützen.

 




 

Insektizide

Viele Insektizide (DDT, Phosphorsäureester, Carbamate u.a. weisen erhebliche ökologische und toxikologische Risiken auf. Sie haben auch zu zahlreichen Resistenzbildungen geführt. Heute werden vorwiegend synthetische Pyrethroide als Insektizide eingesetzt. Das natürliche aus Chrysanthemenblüten hergestellte Pyrethrum ist unstabil und wesentlich weniger wirksam. Pyrethroide sind sehr gut und rasch wirksame Insektizide. Sie besitzen keine Repellent-Eigenschaften sondern wirken neurotoxisch als Kontaktinsektizid. Pyrethroide sind sehr wirksame Insektizide mit einem für den Menschen ausgezeichneten toxikologischen Profil. Sie wirken jedoch nicht nur bei Insekten, sondern auch bei Säugetieren neurotoxisch. Beim Menschen beobachtet man nach Kontakt mit Haut und Schleimhäuten häufig Parästhesien und Missempfindungen wie Brennen und Juckreiz. Vereinzelt können papuläre Hauteffloreszenzen auftreten. Akute Vergiftungen sind nur ganz vereinzelt beschrieben, etwa bei akzidenteller Einnahme. Bleibende neurologische Schäden wurden bisher nie beschrieben. Trotzdem sind die Meinungen über die Toxizität von Pyrethroiden geteilt. Viele Verbraucherorganisationen und einzelne Experten halten Pyrethroide für relativ giftig. Andere Fachleute, die WHO und das Deutsche Bundesgesundheitsamt vertreten eine differenziertereMeinung und beurteilen sowohl die akute wie auch die chronische Toxizität für den Menschen als gering ein. Daten, die eine kumulative Neurotoxizität beim Menschen belegen würden, sind nicht vorhanden.

Pyrethroide können als „Knock-down Sprays“ (z.B. Baygon (Cyfluthrin, Tetramethrin), Optimumâ (Cyphenotrin, Pyrethrin, Tetramethrin), Tyrax (Bioalletrin, Pyrethrin, Permethrin) eingesetzt werden, um Schlafräume mückenfrei zu machen. Diese Sprays enthalten meistens ein flüchtiges Pyrethroid (z.B. Cyfluthrin), welches sich in der Raumluft anreichert, sowie ein schwerflüchtiges Pyrethroid (z.B. Tetramethrin). Leicht flüchtige Pyrethroide wie z.B. Bioallethrin oder d-Allethrin können auch elektrisch verdampft werden. Pyrethroide werden durch Hitzeeinwirkung aus Nachfüllsystemen oder Zellstoffträgern freigesetzt (z.B. Heropic, Neocid, Optimum). Die Wirksamkeit ist gut belegt und entspricht mindestens derjenigen der Räucherspiralen. Nach dem heutigen Wissensstand werden bei sachgerechter Anwendung keine gesundheitsschädigenden Insektizidkonzentrationen in der Raumluft erreicht. Diese liegen mindestens um das 10'000fache unter der in Tierversuchen festgestellten Toxizitätsgrenze.
Räucherspiralen (z.B. d-stop-oeko) enthalten neben natürlichem Pyrethrum verschiedene organische Füllmaterialen wie z.B. Maisstärke, Jute, Sägemehl sowie Farbstoffe. Sie sind in der Lage die Stechmückenpoulation bis zu 75% zu reduzieren. Die Wirksamkeit der 6 bis 8 Stunden brennenden Spiralen ist in zahlreichen Studien gut nachgewiesen worden (Zitat). Die inhalative Toxizität von Pyrethrum ist sehr gering. In kleinen und völlig unbelüfteten Räumen kann bei langem Gebrauch der Rauch eventuell zu einer Reizung der Atemwege führen. Aus toxikologischen Gründen ist darauf zu achten, dass keine DDT-haltigen Spiralen, die häufig aus China stammen, verbrannt werden.

 


 

Physikalische Massnahmen

Kleider schützen nur beschränkt gegen Mückenstiche. Insekten können ohne weiteres durch leichtes der Haut eng anliegendes Gewebe stechen. Die an Fenster und Türen angebrachten Mückengitter dürfen keine Löcher aufweisen. Sowohl Kleider als auch Bettnetze schützen besser, wenn sie mit Repellentien oder Insektiziden imprägniert werden. Werden Bettnetze korrekt angewendet, das heisst wenn sie unter die Matratze geschlagen werden oder ausreichend lang sind, verleihen sie einen guten Schutz gegen Stechmücken. Eine Maschengrösse von 1 mal 1,2 mm (entspricht etwa 30 Maschen auf der Diagonalen eines cm2) verhindert das Eindringen der meisten Stechmücken der Gattung Anopheles und garantiert eine genügende Ventilation und Schlafkomfort. Phlebotomen und Aedesmücken gelingt es jedoch manchmal trotzdem einzudringen.

Werden Kleider oder Bettnetze mit Pyrethroiden imprägniert, wird ein wesentlich besserer Schutz erreicht. Diese werden in pyrethroidhaltige Lösungen getaucht, ausgewrungen und getrocknet (Tabelle 2). Imprägnierte Kleider schützen während mehreren Tagen gegen Zecken, imprägnierte Bettnetze sogar während 3 bis 6 Monaten, sogar wenn sie zwischenzeitlich gewaschen werden.

 

 

Unwirksame Mittel

Trotz seit Jahren betriebener systematischer Suche, gibt es keine systemisch wirksame Repellentien. Obwohl unzählige Studien die Unwirksamkeit von oral verabreichtem Thiamin (Vitamin B1) belegen, sind noch immer zahlreiche Reisende, Ärzte und Apotheker auf Grund einer einzigen Studie aus dem Jahre 1943 von dessen Wirksamkeit überzeugt. Auch für die lokale Anwendung von Thiamin (z. B. in Zanzaraâ) gibt es keine rationale Verwendung.

Akustische Apparate sollen mittels Ultraschallwellen männliche Stechmücken oder Fledermäuse imitieren und auf diese Weise die weiblichen Stechmücken von einer Blutmahlzeit abhalten. Zahlreiche Studien unter Feld- und Laborbedingungen haben die Unwirksamkeit dieser Gräte belegt. Trotzdem werden sie nach wie vor auch in der Schweiz zum Kauf angeboten.

Auch Lichtfallen, in denen Insekten elektrokutiert werden, sind ungenügend wirksam. Im Vergleich zum Menschen weisen sie nur eine ungenügende Anziehungskraft auf Stechmücken auf. Auch bei längerer Anwendung verringert sich die Häufigkeit der Blutmahlzeiten nicht. Es werden vorwiegend Nützlinge vernichtet. In einer Studie konnte festgestellt werden, dass lediglich 0.13% der elektrokutierten Insekten, weibliche Stechmücken waren. In den USA schätzt man, dass jährlich 71 bis 300 Milliarden Nützlinge durch Lichtfallen vernichtet werden.

Die Errichtung von Vogel- oder Fledermaushäuschen in Gärten, zur Ansiedelung von Beutetieren zur Reduktion der lokalen Moskitopopulation ist ebenfalls nicht wirksam.

 

 

Behandlung von Moskitostichen

Die Reaktionen auf Mückenstiche sind sehr unterschiedlich und können von einer juckenden Quaddelbildung bis zu seltenen anaphylaktischen Reaktionen reichen. Sie entstehen durch Sensibilisierung auf Antigene im Speichel der Stechmücke und führen zu einer Immunantwort mit der Bildung von spezifischen IgG und IgE Antikörpern. Eine lokal angewendete Kortikosteroidcrème kann Rötung, Juckreiz und Induration lindern. Ob topisch angewendete Antihistaminika ausreichend wirksam sind, ist schlecht dokumentiert. Wird das Antihistaminikum Cetrizin (z.B. Zyrtec) prophylaktisch an sensibilisierte Personen verabreicht, so kann eine signifikante Reduktion der Quaddeln und Papeln um 40% sowie des Juckreiz um 67% erzielt werden. Eine prophylaktische Verabreichung von nicht-sedierenden Antihistaminika ist jedoch nur für Personen mit ausgeprägten allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte sinnvoll.

 

 

Praktische Empfehlungen

Für die meisten Personen,. welche nur kurze Zeit in mückenverseuchte Gebiete insbesondere in tropische oder subtropische Gebiete reisen, sind einfache Massnahmen für die Expositionsprophylaxe ausreichend. Die Empfehlung am Abend helle weite Kleider, die Arme und Beine bedecken, zu tragen, dürfte von vielen Reisenden nicht eingehalten werden, obwohl dadurch die Häufigkeit von Mückenstichen und Malariaerkrankungen reduziert werden kann (Zitat). Sicher reduziert eine abendliche Dusche durch Abwaschen von Schweiss und Duftstoffen sowie ein Wechsel der Socken die Attraktivität des Wirtes für Stechmücken. Zusätzlich soll vor allem abends jedoch auch ein Repellent mit mindestens 20% DEET oder 20% Bayrepel verwendet werden. Wichtig ist die wiederholte Applikation vor allem im Kopf und Fussbereich. Repellentien können auch auf Kleider z. B. Socken aufgetragen werden, was eventuell die Wirkung verlängern kann. Obwohl pflanzliche Mittel weit weniger und nur kurz wirksam sind, ist es besser diese zu verwenden, als hochwirksame aber nicht benutzte „chemische“ Mittel im Reisegepäck mitzuführen. Pyrethrumhaltige Räucherspiralen und Elektroverdampfergeräte gelten als unbedenklich, wenn sie korrekt in gut belüfteten Räumen und kurze Zeit verwendet werden. Ein mit Pyrethroiden imprägniertes Moskitonetz. -eine der wirksamsten Methoden um sich während des Schlafes vor Mückenstichen zu schützen- ist vor allem für Langzeitaufenthalter und Abenteuertouristen geeignet. Die Beurteilung von Repellentien in verschiedenen Konsumentenzeitschriften ist für den Anwender häufig wenig hilfreich. Meist werden sogenannte Naturprodukte im Vergleich chemischen Produkten unkritisch besser benotet und Faktoren wie andere Inhaltsstoffe, Verpackung, Entsorgungsmöglichkeit etc. besonders gewichtet.